
Der Jakobsweg
„El camino comienza en su casa“ – Der Weg beginnt in Ihrem
Haus
Die Tradition der Pilgerfahrt zum Grab des Apostels Jakobus
des Älteren geht bis in das Mittelalter zurück. Ursprünglich wurde die Legende
von der Überführung der Gebeine des Apostels nach Spanien im 9. Jahrhundert
geboren. Dass das Grab des Apostels in Asturien gefunden wurde, war von Anfang
an ein staatspolitisches Instrument, hochreligiös verpackt, um den Anspruch auf
das christliche Erbe Spaniens zu sichern. Die christliche Bevölkerung bedurfte
einer starken Identifikationsfigur und eines starken Beschützers bei der
Rückeroberung (reconquista) der muslimisch besetzten Gebiete Spaniens. Wer
konnte ein besserer Beschützer sein, als einer der Apostel aus dem inneren Kreis
Jesu, von dessen Leben und Wirken nicht viel bekannt war.
Das
mittelalterliche Weltbild konnte dies ermöglichen und den Apostel somit zu einer
Legende werden lassen. Die Vorstellung des Jakobus als Beschützer Spaniens ließ
das angebliche Grab zum beliebten Pilgerziel werden.
Der Jakobsweg
Anfangs kamen die Pilger aus der Nähe, später aus immer größerer Entfernung. Seit dem 10. Jh. machten sich Pilger aus ganz Europa auf den Weg nach Santiago de Compostela. Der Jakobsweg konnte sich deshalb so schnell etablieren, weil er einer alten Römerstraße folgte und die Wege der Römer einfach weiter genutzt wurden. Begünstigt von neuen Entwicklungen in der christlichen Lehre von Heil und Erlösung konnte sich so schnell eine der größten Pilgertraditionen des Christentums entwickeln. Pilgerhospize, Spitäler und Kirchen entstanden entlang des Weges, der durch einen fortlaufenden Austausch mit dem restlichen Europa die Kulturentwicklung förderte. Ideen, Entdeckungen, künstlerische Vorstellungen und Baustile wanderten mit den Pilgern über größere Entfernungen.
Nach dem Fall von Akko (1291) und der Sperrung des Heiligen Landes für christliche Pilger kam der Jakobsweg richtig „in Mode“. Um 1300 gaben die Päpste sogar Ablässe, die eine Jakobspilgerschaft mit der Teilnahme an einem Kreuzzug gleichsetzten.
Im
Spätmittelalter glaubten die Menschen besonders an Wunder, was das Pilgerwesen
vor allem beim Adel aus ganz Europa zu einem modischen Zeitvertreib werden ließ.
Durch die Jahrhunderte erlebte die Jakobspilgerschaft Höhen und Tiefen, geriet
fast in Vergessenheit, um dann erneut einen Aufschwung zu erleben. 1982 besuchte
Papst Johannes Paul II. Santiago de Compostela und rief im Rahmen einer großen
„Europa-Feier“ auf, die Wurzeln Europas wieder zu beleben. 1987 erklärte der
Europarat den Weg zum ersten europäischen Kulturweg. 1993 wurde der spanische
Hauptweg in das UNESCO-Welterbe aufgenommen, 1998 auch die vier französischen
Stränge.
Im Zuge der Wiederbelebung der Jakobspilgerfahrt wurden nicht nur
zahlreiche Jakobusgesellschaften und Jakobusbrüderschaften neu und wieder
begründet, auch die alten Zubringerwege wurden und werden nach und nach wieder
belebt.





