Anschlussheilbehandlung - AHB

 

Die Anschlussheilbehandlung - sicher und schnell gesund werden

Ch. Schönle

Eine Operation ist eine segensreiche Erfindung, mit der Krankheiten oder Störungen oft schnell und gezielt behandelt werden können. Allerdings ist nach einer Operation das Stoffwechselgleichgewicht des Körpers für einige Tage gestört. Oft liegen ein Abfall des Blutfarbstoffes und eine allgemeine Abgeschlagenheit vor.

Bettruhe ist ungesund!

Leider führt das Ausruhen im Bett oder die Entlastung eines Körperteils ? Beispielsweise mit Gehstützen? schon innerhalb von wenigen Tagen zu einem schnellen Abbau der Körpersubstanz. Am deutlichsten geht die Muskulatur verloren.

Muskelschwund

Wie schnell und wie stark der Kraftverlust bei einer plötzlichen Minderbeanspruchung ist, hängt von dem verbliebenen Einsatz der Muskulatur ab: Bei völliger Bettruhe geht zwischen 1 und 6 % der Muskelmasse pro Tag verloren. Der Muskelschwund kann, trotz intensivem Krafttraining, zum Teil noch über Jahre nachweisbar bleiben. Durch ein gezieltes Training lässt sich der eingetretene Muskelschwund ausgleichen. Es ist daher notwendig, so früh wie möglich mit einem speziellen Krafttraining zu beginnen. Dazu sind, je nach erlaubter Krafteinwirkung und Belastungsart, alle Formen des Kraft- und Kraftausdauertrainings geeignet. Besonders hervorzuheben ist das Aquatraining, mit dem auch bei völliger Entlastung eines Beines ein intensives Muskelaufbautraining erfolgen kann. Dürfen die Muskeln gar nicht angespannt werden, dann muss zumindest eine häufige passive Bewegungstherapie, auch auf der Motorschiene, und eine Elektrostimulation erfolgen. Aber auch eine Lagerungstherapie im Wasser mit gezielten Bewegungsübungen ist möglich.
Ein dosiertes Kraft- und Koordinationstraining ist auch bei einer Teilbelastung eines Beines möglich.

Knochenentkalkung

Auch die Knochen einer verletzten Extremität neigen zum Substanzverlust. Er ist im Bereich des verletzten Knochens oder ruhig gestellten Gelenkes am stärksten, aber auch das Skelett der ganzen Extremität verliert in geringerem Umfang Knochenmineralien. Besonders tragisch ist der Knochenverlust bei älteren Patienten mit einer Osteoporose, die wegen einer Fraktur nur für kurze Zeit immobilisert werden mussten. Bei ihnen liegt schon primär wenig Knochensubstanz vor, die dann noch weiter abnimmt.

 

Einfache Mittel zur Vermeidung des Knochenabbaus sind die freie Beweglichkeit, die volle Belastung und muskuläre Anspannungen. Ist eine Teilbelastung oder eine Bettruhigstellung jedoch nicht zu verhindern, dann müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Knochenabbau so gering wie möglich zu halten. Dazu gehören häufige Anspannungen der Muskulatur der betroffenen Extremität und ein intensives aktives Training (Kraft, Ausdauer) des ganzen Körpers. Immerhin gelang es den Astronauten der Skylab-Flüge 2, 3 und 4, welche im All jeweils ein bis drei Monate aushielten, durch ein tägliches Muskeltraining in der Raumstation ihren Knochenschwund gering zu halten. Der Knochenverlust war sogar geringer als bei einem Ersatzmann auf der Erde, der wegen einer Knöchelfraktur ein Jahr sein Bein entlasten musste.

Verlust der Ausdauer

Auch das Herzkreislaufsystem leidet unter einer Bettruhe. Bei gesunden Probanden führte eine 9-tägige Bettruhe zu einer Reduktion der Ausdauerleistung um 21% und einer Verminderung des Herzvolumens um 10 %. Nach 4 - 6 Wochen Bettruhe sank die Ausdauerleistung sogar auf 50 % ab. Isometrische Spannungsübungen und Ergometertraining während der Bettruhe verringerten den Abfall der Ausdauerleistung.

Es ist daher unter Berücksichtigung der Belastbarkeit notwendig, schon früh mit einem Herzkreislauf-Training zu beginnen. Ein gezieltes Kraft- und Ausdauertraining kann ohne weiteres erfolgen, ohne dass die verletzte bzw. betroffene Extremität eingesetzt wird. Notwendig sind dafür eine spezielle Apparate und die bauliche und personelle Ausstattung eines Rehazentrums.

Moderne Therapien in der Klinik Lindenplatz

Das Ziel eines effektiven Trainings ist die schnelle Anpassung der trainierten Struktur an die Belastung. Die Trainingswirkung hängt vom Trainingsreiz, von der individuellen Trainierbarkeit, vom Alter und vom dem Gesundheitszustand ab. Das Geheimnis eines optimalen Trainings liegt nicht in der Aneinanderreihung von möglichst vielen und intensiven Übungsserien, sondern in der Steuerung und in der Periodisierung der Belastungszyklen. Das Ziel ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der Funktions- und Leistungsfähigkeit eines Patienten, verbunden mit dem größtmöglichen Maß an Sicherheit.

In der Klinik Lindenplatz wird eine orthopädische Rehabilitation nach modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen durchgeführt. Um das zu gewährleisten, ist eine ständige orthopädische, internistische und sportmedizinische Betreuung notwendig. Auf die individuelle Belastungsfähigkeit des Patienten muss Rücksicht genommen werden. Das Geheimnis der modernen Therapie liegt im Wechsel von Anspannung und Entspannung. Wohlfühlen bedeutet Stimulation der Heilungsvorgänge im Körper. Daher steht das Befinden des Patienten im Vordergrund.

Arzt, Patient und Therapeut sind ständige Partner bei der Rehabilitation: Die Kombination der Therapien wird mit den Patienten erarbeitet und entsprechend den Wirkungen stufenweise erhöht oder reduziert.

Die Therapien reichen von sanften schmerzlindernden Maßnahmen wie der chirotherapeutischen und osteopathischen Behandlung, über die Versorgung mit Knieschienen, Wirbelsäulen-Korsett, orthopädischen Schuhen bis hin zu aktiven Anwendungen wie der Sporttherapie und dem medizinischen Krafttraining. Das Basis des Erfolges liegt in der richtigen Zusammensetzung der individuellen Therapie-Kombination.

Aktive Aquatherapien im Bewegungsbad sind vielfältig, alle Arten von Kraft- und Ausdauertraining sind hier möglich. Laufen, Fahrradfahren oder Sprinten im Wasser, orthopädisches Schwimmen oder einfache nur schmerzfreies Schweben? Jede Bewegungsform kann im schmerzfreien Sektor und im Auftrieb der Sole ohne Körpergewicht geübt werden.

Dr. Ch. Schönle
Klinik Lindenplatz

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